Die Toskana - Geschichtlicher Überblick

Die Toskana befindet sich im Herzen Italiens. Im Norden grenzt sie an Ligurien und die Emilia Romagna, im Osten an Umbrien und die Marken und im Süden an das Latium.
   

Der Name dieser Region stammt bereits aus den Zeiten der Etrusker, welche diese Region als Etruria bezeichneten, was auf Römisch Tuscia bedeutete und schließlich von den Römern mit dem Namen Tuscania benannt wurde, woraus letztendlich der heutige Name "Toskana" entstand.
Die Herkunft der Etrusker ist bis heute ein Rätsel, jedoch ist die wahrscheinlichste Hypothese, dass sie im 11. Jh.v.Chr. aus Kleinasien kamen.
Dieses Volk baute Verbindungsstraßen zu den wichtigsten Städten wie Tarquinia, Chiusi, Vulci, Vetulonia und Volterra, wo man noch heute
außergewöhnliche Ausgrabungsfunde bestaunen kann. Im 6. Jh.v.Chr. erreichten die Etrusker den Höhepunkt ihrer Macht, die vom padanischen Flachland bis nach Campanien reichte.
 
 Bereits gegen Ende des 5.Jh.v.Chr. verloren die Etrusker ihre Vormachtstellung im Mittelmeer an die Griechen. Die definitive Niederlage erlitten sie allerdings mit dem Wachstum der Römer und deren Macht und somit begann der wirtschaftliche, kulturelle und soziale Verfall des etruskischen Reiches in der gesamten Region.
Nach dem Verfall des römischen Imperiums, wurde die Toskana von Goten, Byzantinern, Langobarden und Franken beherrscht. Die Franken unter Karl dem Großen ließen die "Via Francigena" (dt. Frankenstraße) erbauen, die Nord- und Süditalien verband und in der Toskana durch Lucca, San Gimignano, Siena und Radicofani führte. Durch die Via Francigena entstanden zahlreiche toskanische Städte und der Handel wurde ausgebaut.
Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts ging die Grafschaft an die Adelsfamilie Attoni, die auch Canossa, Modena, Reggio und Mantova beherrschte. In der Burg der Gräfin Matilde, die dieser wichtigen Familie angehörte, fand auch das Treffen zwischen dem Papst Gregor VII. und dem deutschen Kaiser Heinrich IV. statt.
 
   

Florenz

    Auf der Piazza del Duomo (dt. Domplatz) befindet sich eine der faszinierensten Kathedralen der Welt: die S. Maria del Fiore. Sie wurde zwischen 1296 und 1461 erbaut, während die gotische Fassade erst im 19. Jahrhundert fertiggestellt wurde. 1334 übernahm Giotto die Leitung des Baus, der auch den Campanile (dt. Glockenturm) plante.
Filippo Brunelleschi stellte hundert Jahre später die Arbeiten der Kuppel fertig, wobei er eine neue Baumethode erfunden hatte.
Ganz in der Nähe befindet sich die Piazza della Signoria, die seit über sechshundert Jahren das politische Symbol von Florenz ist. 
 
Dort befinden sich der Palazzo Vecchio (1299 erbaut) und das Museum des Palazzo Vecchio. Nur wenige Meter entfernt befindet sich die berühmteste Kunstgalerie der Welt: die Galerie der Uffizien, die zwischen 1560 und 1574 von Giorgio Vasari errichtet wurden. Der Auftraggeber der Bauarbeiten war Cosimo de'Medici. In der Galerie der Uffizien befinden sich außer den Werken, welche die Entwicklung der toskanischen Malerei deutlich machen, auch Kunstwerke aus Nordeuropa. 
Fast neben den Uffizien befindet sich der Ponte Vecchio, wie der Name bereits verdeutlicht, die älteste Brücke der Stadt.
   
 
Diese Brücke wurde 1345 erbaut und in den kleinen Gebäuden, die sich auf beiden Seiten entlang der Brücke befinden, waren anfangs Metzger und Handwerker ansässig, die ihren Müll in den Arno warfen. Großherzog Cosimo I, der täglich die Brücke überquerte, um von seiner Residenz Palazzo Pitti zum Palazzo Vecchio zu gelangen, störte dieser Geruch derart, dass er daraufhin anordnete, in den Gebäuden Goldschmieden unterzubringen, deren Schaufenster noch heute diese Brücke krönen.  
 
    Der Palazzo Pitti wurde im Jahre 1457 als Wohnsitz des Bankiers Luca Pitti errichtet.
Ein Jahrhundert später wurde er Besitz der Medici, die auch den "Giardino di Boboli", von 45.000 m2 errichten ließen. Im Inneren des Palazzo Pitti befinden sich heute drei Museen: die Galleria Palatina mit Werken von Raffael, Tizian und Rubens, das Museo degli Argenti mit einer wertvollen Tafelsilbersammlung und die Galleria d'Arte Moderna mit toskanischen Gemälden aus dem 20.Jh. Westlich vom Dom befinden sich imposante Gebäude aus dem 13. bis 15.
Jahrhundert, wie der Palazzo Rucellai, Palazzo Strozzi, Palazzo Antinori, Palazzo Davanzati und das älteste Gebäude, aus dem 13. Jahrhundert, Palazzo dei Guelfi. Man sollte auch dem Kloster S. Marco einen Besuch abstatten, in dem sich Fresken sowie die Bibliothek von Michelozzo befinden. 
 
Insgesamt gibt es sechs florentinische Kirchen, die einen Besuch wert sind: Orsanmichele (1337) und Santa Maria Novella (13.-14. Jh.) mit vielen Kunstwerken. Die Fresken der Kapellen sind immer von verschiedenen Künstlern. Die Hauptkapelle ist von Filippo Strozzi, die Trinità von Masaccio und das "Chiostro Verde" von Paolo Uccello. Eine der wichtigsten Renaissancekirchen ist S. Lorenzo mit den Medici-Kapellen. Die Kirche S. Maria del Carmine hingegen ist    
für ihre Fresken der "Cappella Brancacci" berühmt. In der gotischen "Basilica di S.Croce" befinden sich die Gräbmäler von Michelangelo, Galileo und Macchiavelli. Die romanische Basilika S. Miniato al Monte auf dem Gipfel des Hügels über Florenz, blickt direkt auf den Piazzale Michelangelo, von wo aus man einen malerischen Blick auf Florenz hat.
 

Die Altstadt von Florenz

Die toskanische Hauptstadt wird vom Arno in zwei Teile geteilt. Die sanften florentinischen Hügel erreichen im Norden fast die Ausläufer der Appeninen, während im Osten der Pratomagno die Grenze bildet und im Süden die Berge des Chianti die Grenze bilden.
Florenz hat heute etwa 450.000 Einwohner, die hauptsächlich vom Tourismus, Handwerk und der Industrie leben, wobei die Textilindustrie die

     

wichtigste ist. Die Stadt Florenz wurde im 1. Jahrhundert vor Christus von den Römern als "Municipio Florentina" (d.h. die blühende Gemeinde),  am Fuße eines Hügels, wo sich noch heute die etruskische Stadt Fiesole befindet, gegründet. 
 

   

Zu Beginn war Florentina nicht von großer Wichtigkeit. Im 4. Jahrhundert wurde Florenz Bischofssitz, doch erst im 11. Jahrhundert begannen schließlich der Einfluß und auch das wirtschaftliche Wachstum so zu steigen, dass die Stadt 1183 Republik wurde. Im 13. Jahrhundert wurde das Bankensystem eingeführt und die Aristokratie teilte sich in zwei Teile: Guelfen (Anhänger des Papstes) und Ghibellinen (Anhänger der Hohenstaufen). Die Ghibellinen wollten den Wachstum der unabhängigen
 Gemeinden verhindern, weshalb das Bürgertum auch die Guelfen unterstützte. 
 
Innerhalb der Guelfen gab es allerdings unterschiedliche Meinungen, die schließlich zur Teilung in weiße und schwarze Guelfen führte.
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Zünfte gegründet und nur wenige Jahre später, riß das Bürgertum die Macht an sich. Daraus entstand die sogenannte "Signoria"
Unter der Macht der Signoria wurde Florenz immer reicher und mächtiger, bis es über fast ganz Zentralitalien die Vorherrschaft besaß. Den Reichtum kann man ganz besonders an den Bauwerken der Zeit, wie den Palazzo Vecchio oder der Kirche S. Maria Novella, S. Croce und dem

    

Campanile (Glockenturm) von Giotto erkennen. 
Bis zum Ausbruch der Pest von 1348, welche etwa zwei Drittel der Einwohner von Florenz tötete, war Florenz eine der meistbevölkertsten Städte der Welt geworden.
 

  

Der Bankier Cosimo de'Medici nahm 1434 die Machtzügel in die Hand. 
Seine Regierung dauerte bis 1494, mit dem Ausschluß der Medici aus Florenz. Bereits 1512 kehrten die Medici nach Florenz zurück, wo sie bis 1527, mit Hilfe spanischer Truppen, die Stadt besetzten. 
Nur vier Jahre später kehrte Alessandro de'Medici mit dem Großherzog Karl V. zurück. 1569 wurde Cosimo I. von Papst Pius zum Großherzog der Toskana ernannt. Nun hatten die Medici nicht nur die Macht über Florenz, sondern über die gesamte Toskana, ausgenommen davon Massa, Carrara und Lucca. 1737, mit dem Tode Gian Gastones starb die Medici-Dynastie aus. Bis 1859, mit kurzer Unterbrechung der Ära Napoleons (1801-1814)
 stand die Toskana unter der Herrschaft des Hauses Habsburg. Am 15.03.1860 tritt die Toskana dem Reich von Viktorio Emanuele II. bei. Von 1865 bis 1871 war Florenz die Hauptstadt des italienischen Königreichs.
 

Pisa

Seit dem 5. Jh.v.Chr. war Pisa eine etruskische Siedlung am Meer. Im 2. Jh.v.Chr. wurden diese von den Römern abgelöst, die hier den Portus Pisanus bauten, der zu einem wichtigen Flottenstützpunkt wurde. Abgesehen von den Sarkophagen und den Ruinen der Thermen, ist von dem römischen Imperium fast nichts mehr übriggeblieben. Nach dem Untergang des Römischen Reiches, war Pisa für die Goten, Langobarden und Karolinger eine wichtige Hafenstadt, um die Sarazenen zu bekämpfen.
Pisa war es im 11. Jahrhundert gelungen, eine der vier mächtigen italienischen Seerepubliken zu werden (gemeinsam mit Genua, Venedig, Pisa und Amalfi). Mit dem Gold, das aus den Kämpfen gegen die Sarazenen stammte, wurde der Dombau
finanziert. In dieser Zeit begann auch die Geschichte, die für Pisa jährlich Millionen von Besuchern aus der ganzen Welt anzieht: der Bau des Campanile (dt. Glockenturm) des Doms, bekannt unter dem Namen der Schiefe Turm von Pisa (it. la Torre Pendente). 
 
Alle Monumente der Piazza wurden mit Marmor aus Carrara erbaut. Nach sechs Jahren Bau und bis zum dritten Stock angelangt, ließ der Architekt Bonanno Pisano die Arbeiten stoppen, da eine Bodensenkung den Turm kippen ließ. Heute glaubt man, dass es nicht nur die Bodenbedingungen waren, die zur Neigung des Turms führten, sondern auch das enorme Gewicht des Turmes. Nach neueren Berechnungen soll der Turm ein Gewicht von über tausend Lastzügen haben und das auf einer so kleinen Fläche!     
 

 

Als sich Pisa auf die Seiten der Ghibellinen (Anhänger der Hohenstaufen) stellte, erhielt die Stadt von Friedrich I. Barbarossa die Konzession des Küstenstriches von Portovenere (Ligurien) bis Civitavecchia (Latium) sowie die Lehensrechte für Neapel, Amalfi, Salerno, Kalabrien und Sizilien.
Es gab ständig Streit mit dem nahegelegenen Lucca, dem Gegner Genua sowie Florenz. Lucca und Florenz, beide in den Händen der Guelfen (Papstanhänger), verbündeten sich schließlich gegen Pisa. Ende des 13. Jahrhunderts, 90 Jahre nach dem Arbeitsstillstand an dem Schiefen Turm,
nahm ein weiterer Architekt, Giovanni di Simone, die Arbeit wieder auf. Er versuchte die Neigung des Turmes zu korrigieren. 
 
1284 verlor Pisa die Schlacht Battaglia della Meloria gegen die Seemacht Genua und mit ihr fast die gesamte Flotte. Um die Schlacht zu gewinnen, bediente sich der Gegner eines Tricks: die Genuesen liefen mit 60 Schiffen im Hafen von Pisa ein. Weitere 40 Schiffe hielten sich in einer nahegelegenen Bucht unterhalb des Montenero (südlich von Livorno), versteckt. Siegessicher erschienen die Pisaner mit 102 Schiffen. Als unerwartet die 40 weiteren Schiffe der Genuesen erschienen, verlor die pisanische Flotte im Überraschungseffekt die Schlacht. Dieser Verlust brachte die Stadt zum Verfall. Der Verfall bedeutete auch finanzielle Probleme     
für den Turmbau. Trotzdem schaffte man es 1350 den Turm mit insgesamt sieben Stockwerken und 56 m Höhe fertigzustellen. In dieser Zeit war Pisa bereits, auf Grund von Geröllablagerungen, welche durch den Fluß Arno transportiert wurden, etwa 8 km vom Meer entfernt.  
 

  

Pisa ist auch die Geburtsstadt von Galileo Galilei, Astronom, Physiker, Mathematiker und Gründer der Versuchsmethode. Bereits 1583 entdeckte er das Pendelgesetz sowie die hydrostatische Waage. Sieben Jahre später lehrte er als Mathematikprofessor an der Universität Padua, wo er auch das Fernrohr erfand, mit dem er die Mondoberfläche, den Bau der Milchstraße, die Venus, die Umdrehung der Sonne um die eigene Achse sowie den Jupiter sehen konnte. Bombenangriffe zerstörten während des zweiten Weltkrieges einen großen Teil des Camposanto, der Kirchen und Paläste im südlichen Teil der Stadt.
   

Siena

  

Die Provinz Siena grenzt im Süd-Westen an Grosseto, im Süd-Osten, an Umbrien und im Osten an Arezzo. Im Norden grenzt Siena an Florenz, während der Nord-Westen von Pisa eingenommen wird. Die Umgebung von Siena ist so abwechslungsreich, dass es sich lohnt jeden Zipfel dieser malerischen Provinz zu entdecken. Süd-östlich von Siena befinden sich die einzigartigen Crete Senesi, die fast an eine Mondlandschaft erinnern. Weiterhin gibt es zahlreiche bekannte Orte wie Montalcino und Montepulciano, die vor allen Dingen von Weinliebhabern geschätzt werden. Außerdem die etruskische Stadt Chiusi, San Quirico d'Orcia, Monteriggioni, die Abteien von Sant'Antimo und San Galgano. Im Westen befindet sich das Elsa-Tal und die mittelalterliche
Turmstadt San Gimignano. Als sich Goethe während seiner Italienreise in der Umgebung von Siena befand, sagte er, dass die Kutsche viel zu schnell sei, um die Schönheit dieser herrlichen Landschaft genießen zu können.
 
Die Stadt Siena befindet sich auf drei Hügeln zwischen den Flüssen Elsa und Arbia. Im Zentrum befindet sich die bekannte Piazza del Campo. Siena war bereits eine etruskische Siedlung, die jedoch nicht an Chiusi heranreichen konnte. Danach war es unter Cesare, mit dem Namen Sena Iulia, Teil des römischen Herrschaftgebietes. Eine Legende besagt allerdings, dass Siena von Senio, dem Sohn von Remus gegründet wurde. Es wird erzählt, dass Senio und sein Bruder   
Aschinus sich mit ihrem Onkel Romulus gestritten hätten und somit in dieses Gebiet geflüchtet seien.
 

  

Unter den Langobarden wurde Siena im 4. Jahrhundert Bischofssitz. Über Jahrhunderte hinweg war die Stadt völlig unwichtig und erst am Ende des 9. Jahrhunderts, wegen der nahegelegenen Via Francigena, begann der wirtschaftliche Aufstieg. Somit wurden in der Umgebung zahlreiche Siedlungen und Festungen errichtet. Im Jahre 1147 schloß sich Siena den Ghibellinen an. In diesem Zeitraum begannen auch die Auseinandersetzungen mit der auf guelfischer Seite stehenden Stadt Florenz. Auf Grund seiner strategischen Lage sowie der nahegelegenen Colline Metallifere (dt.
Erzgebirge), konnte Siena sich noch weiter entwickeln.
 
Die Minenbesitzer begannen schließlich mit dem Geldverleih, was dazu führte, dass Siena schließlich eine Bankenstadt wurde. Im Jahre 1472 wurde die Bank "Monte dei Paschi di Siena" gegründet.
1530 besetzte Karl der Große mit seinen Truppen die Stadt. Er formierte eine Regierung zu Gunsten der Reichen Kaufleute. Zwei Jahre später jagten ihn die Sienesen aus der Stadt. Cosimo de' Medici sendete erneut Truppen zur Besetzung von Siena und nach nur wenigen Montaten
  
ergab sich das sienesische Volk. Siena wurde dem Großherzogtum Toskana angeschlossen.

 

 

Das Stadtzentrum von Siena

   

Die Piazza del Campo ist mit Sicherheit eine der schönsten Plätze Italiens. Im Zentrum der Piazza befindet sich der Brunnen Fonte Gaia, Werk von Jacopo della Quercia (1412-1419). Die Piazza del Campo war mit großer Wahrscheinlichkeit der Marktplatz. An der Piazza befindet sich der Palazzo Pubblico, dessen Bau im Jahre 1297 begann und heute Sitz des Rathauses ist. Ursprünglich hatte dieses Gebäude nur drei Stockwerke. Im 14. Jahrhundert wurden noch weitere Flügel sowie der Turm Torre Mangia hinzugefügt. 
 
Von dem 102 m hohen Torre Mangia kann man sowohl die Stadt als auch die gesamte Umgebung von Siena überblicken. Als höchster Turm überragt er alle Gebäude der Stadt und ist somit natürlich auch deren Symbol. Der Name stammt vom ersten Glöckner (it. campanaro), der auf Grund seiner Faulheit als Mangiaguadagni (sinngemäße Übersetzung "Taugenichts", jedoch: it. mangiare = dt. essen; it. guadagno = dt. Lohn) bezeichnet wurde. Ebenso auf der Piazza der Palazzo Pubblico mit dem Museo Civico, in dem man interessante Fresken der bekanntesten sienesischen Künstler besichtigen kann.      
Die reichsten und einflußreichsten Familien hatten im Mittelalter ihre Palazzi in und um die Piazza del Campo. Es gab sogar Gesetze, die vorschrieben, wie der Baustil der Palazzos sein sollte, damit das Zentrum eine architektonische Einheit darstellte. 
 
   In der Nähe der Piazza del Campo, in der Via di Città befindet sich die Arkadenhalle Loggia della Mercanzia, wie der Name bereits andeutet, handelte es sich einst um der Verhandlungsort von Bankiers und Händlern. Nicht weit entfernt,der Palazzo Chigi-Saraceni, heute Sitz der Musikakademie Accademia Musicale Chigiana. Sehenswert auch der Palazzo Buonsignori mit der Pinacoteca Nazionale. In dieser kann man eine der wichtigsten Kunstsammlung der sienesischen Schule aus dem 13. bis 16. Jahrhundert bewundern.
 
Danach lohnt es sich zur Piazza Duomo und dem Dom S. Maria Assunta zu gehen. Die Piazza ist mit ihren 350 m Höhe der höchste Punkt der Stadt. Man nimmt an, dass die Bauarbeiten des Doms im 12. Jahrhundert begannen. Erst ein Jahrhundert später wurde er vollendet. Im 13. Jahrhundert wollte man den Dom noch vergrößern und somit dem Erzrivalen Florenz Konkurrenz machen. Florenz hatte erst kürzlich mit dem Bau der Kirche Santa Maria del Fiore begonnen. Wegen     
finanzieller und statischer Probleme konnten die Arbeiten zur Vergrößerung nicht beendet werden. Noch heute kann man die Bauansätze erkennen.
 
   Im linken Schiff des Domes befindet sich der Eingang der ehemaligen Bibliothek des Papstes Pius, die Libreria Piccolomini, während das nicht zu Ende gebrachte Seitenschiff das im Jahre 1870 eröffnete Museo dell'Opera Metropolitana mit Skulpturen von Giovanni Pisano sowie wichtige Gemälde der sienesischen Schule beherbergt. Unter den Gemälden befindet sich das Werk Maestà des Künstlers Duccio Buoninsegna. Da der Dom auf einem sehr steil abfallenden Hügel erbaut wurde, benötigte man einen Halt. Aus diesem Grunde errichtete man das Battistero di S. Giovanni,
etwa 14 m unterhalb des Doms. Das Spedale di Santa Maria della Scala, gegenüber vom Dom, geht wahrscheinlich auf das erste Jahrhundert zurück. 
 
Nebenan befindet sich das Museo Archeologico Nazionle Etrusco mit Ausgrabungen aus Siena und Umgebung. Ganz in der Nähe, das Haus der heiligen Catarina (casa di S. Caterina), Tochter einer wohlhabenden sienesischen Familie. Diese trat gegen den Willen der Familie dem Dominikanerorden bei. Sie wurde 1451 vom Papst heilig gesprochen. 1464 lies sie ihr Haus zu einer Wallfahrtskirche werden.
Der Bau der Kirche San Domenico geht auf den Dominikanerorden zurück, der
    
einen Teil des Hügels Spende erhielt, auf dem diese dann eine Kirche errichteten. Mit der finanziellen Hilfe einflußreicher Leute schafften sie es schließlich, zwischen 1226 und 1465, die Backsteinbasilica zu errichten.
 
Auch hier mußte auf Grund der steilabfallenden Hügellage eine Krypta (lat. crypta = unterirdischer Gang, Gewölbe, oftmals Aufbewahrungsort von Reliquien) hinzugefügt werden. Die Basilica di S. Francesco, im gotischen Stil, befindet sich in nord-westlicher Lage der Stadt und wurde zwischen 1328 und 1475 errichtet. Im Inneren befinden sich interessante Werke von Lorenzetti. Neben der Kirche befindet sich das zweistöckige Oratorium von S. Bernardino (15.Jh.) mit Wandfresken sowie anderen Kunstwerken von Sodoma, Girolamo del Pacchia e Giovanni di Agostino. Die Basilica di S. Maria dei Servi (13.Jh.) mit      
Werken sienesischer Künstler befindet sich im südlichen Teil des historischen Zentrums. Auch die Basilica di S.Agostino (13.Jh.), im Westen der Altstadt, beherbergt Werke sienesischer Künstler.

Lucca

Die Provinz Lucca dehnt sich nördlich bis zur Garfagnana, im Osten entlang der Küste der Versilia und im Westen bis zur Provinz Pistoia. Heute rühmt sich diese Provinz das beste Olivenöl der Toskana zu produzieren.
  
    Der Name Lucca stammt aus dem keltisch-ligurischen Wort luk, das sumpfiger Ort bedeutet. Bis zur Machtübernahme seitens der Etrusker im 5. Jh.v.Chr., war es eine ligurische Siedlung. Nach den Etruskern folgten die Römer und 89 v.Chr. erhielt Lucca das Recht der Kommune. Nach dem Fall des römischen Reichs, folgten die Goten und Langobarden, unter deren Herrschaft Lucca die Hauptstadt von Tuscia wurde, bis es von Florenz abgelöst wird. Im 11.Jahrhundert wurde Lucca unabhängige Kommune und am Ende des 14. Jahrhunderts Republik. 
 
Seit 1400 wurde es von Paolo Guinigi regiert, dessen Frau Ilaria im Dom in der sogenannten Tomba di Ilaria Carretto (dt. das Grab der Ilaria Carretto) verewigt wurde; ein Meisterwerk von Jacopo della Quercia. Bis zur Ankunft von Napoleon Bonaparte im Jahre 1799, blieb Lucca unabhängige Kommune. Elisa di Baciocchi, berühmte Schwester von Napoleon, wurde die Großherzogin von Lucca, die gemeinsam mit ihrem Mann Felice Bacocchi im Stadtviertel Parata   
im Palazzo, der einige Jahrhunderte vorher der Wohnsitz von Paolo Giunigi war, residierte. Elisa wollte den Palazzo im Stile des Schlosses von Versailles umbauen und ließ somit Möbel aus ganz Europa kommen. 
 
    Von 1814 bis 1847 stand Lucca unter bourbonischer Herrschaft und ging dann an das Großherzogtum der Toskana über. 1860 vereinigte sich die Provinz Lucca mit dem italienischen Königreich. Berühmte Einwohner von Lucca waren Luigi Boccherini, Komponist aus dem 18. Jahrhundert mit seinem Werk Minuetto, Alfredo Catalani (1854-1893), Komponist der Werke Loreley und La Wally und schließlich Giacomo Puccini (1858-1924) mit berühmten Werken wie Madame
Butterfly und La Bohhème. Zum Schutz gegen Feinde wurde im 16. Jh. mit dem Bau der Festung auf der römischen Stadtmauer als Fundament begonnen. 
   
Nach hundert Jahren Bau wurde die Mauer mit insgesamt 4 km Gesamtlänge fertiggestellt, die noch heute das Stadtzentrum von Lucca umgibt und auf der man, um das historische Zentrum herum, spazieren gehen kann. Sehenswert in der Piazza San Martino der gleichnamige Dom, von dem man nimmt, dass er im 6. Jahrhundert erbaut wurde. In der Piazza San Michele nach der auch die Kirche benannt wurde, befand sich einst das römische Forum, weshalb man den Platz noch heute in foro bezeichnet. Diese elegante Piazza, heute Treffpunkt der Einwohner von     
Lucca, wird von imposanten Gebäuden wie dem Palazzo Pretorio eingerahmt. Das Geburtshaus von Giacomo Puccini, heute Sitz des Museo Puccini liegt westlich der Piazza. Einen Besuch lohnt außerdem das Museo e la Pinacoteca Nazionale, im Inneren des Palazzo Mansi, mit einer wichtigen Gemäldesammlung und römischen Funden.   
 
     Der wunderschöne Palazzo Pfanner ist ein Kleidermuseum mit Kleidungsstücken vom 18. Jahrhundert bis heute, sowie einem wunderschön angelegten Park. Folgt man weiter der Straße, kommt man zur Piazza San Frediano mit der gleichnamigen Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Danach geht es weiter zur Piazza del Mercato, die auch als Piazza dell'Anfiteatro bezeichnet wird. Im 2. Jh.n.Chr. errichteten die Römer hier ihr Amphitheater, auf dessen Mauern später die umliegenden Häuser errichtet
wurden. Kurz vor der Villa Guinigi, die das Museo Nazionale beherbert, kommt man an dem Turm Torre Guinigi vorbei, der eines der wichtigsten Monumente von Lucca ist.